Wichtigste Pioniere

Abgesehen von frühen Zeugnissen asiatischer Kulturen und auch der Tanztraktate der Tanzmeister der Renaissance und des Barock, ist der Ursprung der heutigen Tanztherapie im Wirken von Rudolf Laban, Mary Wigman, Martha Graham und Émile Jaques-Dalcroze zu sehen.

Laban (1879-1958) etablierte zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ein Zentrum für freien Tanz und Bewegungsstudien in Ascona, auf dem Monte Verità. Dort scharte er Tänzer um sich, die wie er in der damals erstarrten und verkrusteten Bewegungssprache des klassischen Balletts kein Ausdrucksmedium mehr erkennen konnten. Er kreierte die Kinetographie, eine Tanzschrift, die es ermöglicht, Choreographien und Bewegungen schriftlich festzuhalten (u.a. an der Folkwang-Hochschule in Essen gibt es einen acht-semstrigen Studiengang für Kinetographie). Dann erschuf er die Choreutik, die Raumharmonielehre, die sich mit den Gesetzen des Verhältnisses von Raum und Bewegung befasst. Seine für die Tanztherapie wichtigste Erfindung ist jedoch die Eukinetik, die Antriebslehre, die sich basierend auf den Parametern Raum, Kraft, Zeit und Fluss mit dem energetischen Wirken in jeglicher Bewegung auseinandersetzt.

Dieses Konzept der Eukinetik ist das Herzstück des Kestenberg-Movement-Profiles (KMP). Dr. Judith Kestenberg war eine Wiener Psychiaterin jüdischer Herkunft, die auf Grund der Verhältnisse im 2. Weltkrieg nach USA emigrierte. Dort widmete sie sich der Mutter-Kleinkind-Beobachtung und schuf das Diagnostik-Instrumentarium KMP. Wenngleich ihr Verdienst um die Bewegungsbeobachtung groß ist, so muss man doch anmerken, dass auf Grund der stark und einseitig analytischen Färbung des KMP eine unkritische Verwendung unmöglich ist. Des Weiteren ist spürbar, dass Kestenberg eben nicht vom Tanz, von der Bewegung, herkommt, und sich so viele Fehler und Fehlschlüsse in ihr System eingeschlichen haben, die auf ihr mangelndes Bewegungsrepertoire und auf ihre fehlende Bewegungserfahrung zurückgehen. Die deutsche Version des KMP, RES-System (Rhythmus-Energie-Struktur) hat sich von der analytischen Färbung emanzipiert, erkennt die Fehlschlüsse und ersetzt diese durch ein weiterentwickeltes System.